
SAMHAIN - Die Zeit zwischen den Welten
Samhain – ein Abend für Erinnerung und Dankbarkeit
Die alte Tradition rund um Samhain berührt mich. Was bedeutete dieses Fest für die Menschen früher? Woher stammen seine Bräuche, und was ist im Laufe der Zeit daraus geworden? Rund um Samhain begegnen uns auch Halloween, der Reformationstag, Allerheiligen und Allerseelen. Bei meiner Suche nach anderen alten Festen für den Übergang in den Winter bin ich außerdem auf die nordgermanischen Winternächte gestoßen. Dass wir in dieser Zeit so viele Fest- und Gedenktage finden, beschäftigt mich. Ich möchte ihren Geschichten nachgehen, Zusammenhänge verstehen und überlegen, was diese Schwellenzeit heute für uns bedeuten kann.

Was ist Samhain?
Samhain (ungefähr Sau-in ausgesprochen) ist ein Fest aus der irischen Tradition. Die irische Sprache gehört zur Familie der keltischen Sprachen. In der traditionellen irischen Einteilung des Jahres markierte der 1. November den Beginn der Winterzeit. Samhain war einer von vier wichtigen Punkten im Jahreslauf.
Gefeiert wurde besonders am Vorabend, dem 31. Oktober. Auf Irisch heißt er Oíche Shamhna (ungefähr Ii-che Hau-na ausgesprochen). Das bedeutet „Nacht vor Samhain“. Es erklärt, warum heute oft vom 31. Oktober gesprochen wird, obwohl Samhain mit dem 1. November verbunden ist. Der Vorabend gehörte bereits zur Feier.
Auch das Schottisch-Gälische gehört zu den keltischen Sprachen. Dort begegnet uns unter anderem die Schreibweise Samhuinn (ungefähr Sau-in ausgesprochen). Walisisch und Bretonisch sind ebenfalls keltische Sprachen. Wir wissen jedoch nicht, ob die Menschen dort Samhain feierten und, falls ja, ob sie es auf dieselbe Weise taten. Wenn wir Samhain ein Fest mit keltischen Wurzeln nennen, sprechen wir also vor allem über konkrete gälische Überlieferungen aus Irland und Schottland.
Samhain bezeichnete eine Schwelle zwischen der helleren und der dunkleren Hälfte des Jahres. Die Ernte war weitgehend eingebracht. Vorräte waren wichtig und die Menschen mussten sich auf die kommenden Monate einstellen. Die Jagd ging jedoch auch im Winter weiter. Es wurde immer kälter und dunkler. Bald konnte Schnee kommen, wenn er nicht schon gefallen war. Bis zum Beginn der helleren Jahreshälfte lagen ungefähr sechs Monate vor ihnen. Wie lange die angelegten Vorräte tatsächlich reichen mussten, war unterschiedlich. Doch ob Menschen und Tiere gut durch diese Zeit kamen, hing wesentlich davon ab, wie sie sich vorbereitet hatten.
Wie die Menschen den Abschluss der Ernte und die Vorbereitung auf den Winter feierten, lässt sich für die frühe Zeit nur in Teilen nachvollziehen.
Oft wird Samhain heute als „keltisches Neujahr“ bezeichnet. Der Beginn der Winterzeit ist in der irischen Überlieferung gut erkennbar. Ob Samhain darüber hinaus für alle keltischen Gemeinschaften ein Neujahrsfest war, ist historisch umstritten.

Warum wird diese Zeit mit den Verstorbenen verbunden?
Über Samhain wird häufig gesagt, der Schleier zwischen der Welt der Lebenden und der Verstorbenen werde dünn. Dahinter steht die Vorstellung, dass die Verstorbenen den Lebenden in dieser Zeit besonders nahe waren. Die zunehmende Dunkelheit schaffte Raum, um innere Arbeit zu tätigen. Die äußere Arbeit war erledigt, und nun kam die Zeit der inneren Arbeit, um sich mit Erinnerungen, den Fragen nach Leben und Tod und auch der Frage, was nach dem Tod passiert, zu beschäftigen.
In späteren irischen Bräuchen findet sich die Vorstellung, dass Verstorbene in dieser Nacht zum Haus ihrer Familie zurückkehren könnten. Mancherorts wurde Essen für sie bereitgestellt oder ein Platz am Tisch freigehalten. Die Rückkehr der Verstorbenen war dabei keine gruselige Vorstellung. Ihnen einen Platz zu geben bedeutete auch, sie willkommen zu heißen und sie zu ehren.
Es gab gemeinsames Essen und Spiele. Neben dem Gedenken an die Verstorbenen gehörten zur Feier auch Bräuche der Zukunftsdeutung. Dabei ging es beispielsweise darum, ob und wen jemand heiraten würde.
Auch heute können wir diese Gedanken aufgreifen und den Verstorbenen bewusst einen Platz in unserem Leben geben, der sehr heilsam sein kann, denn manche Menschen fehlen uns schmerzlich. Sich an sie zu erinnern, von ihnen zu erzählen oder etwas zu bewahren, das uns mit ihnen verbindet, kann tröstlich sein. Manchmal bleiben auch Verletzungen oder offene Fragen zurück. Auch dafür darf es Raum geben.
Wir können uns außerdem mit den Ahnen unserer Familie verbinden und mit verstorbenen Familienmitgliedern, die wir im Leben nie kennengelernt haben. Auch sie gehören zu unserer großen Familie. Blicken wir über Jahrzehnte und Jahrhunderte zurück, begegnen uns viele Generationen. Zu unserer Familie gehören neben unseren Eltern, Großeltern und den Generationen davor zum Beispiel auch Geschwister, Tanten, Onkel, Cousinen, Cousins, Nichten und Neffen.
Auch wenn wir diese Menschen nie kennengelernt haben und uns ihrer Verbindung zu uns im Alltag nicht bewusst sind, sind wir Teil derselben Familiengeschichte. Auch sie dürfen wir ehren. Unseren direkten Vorfahren verdanken wir dabei unser Leben. Hätten sie nicht gelebt, wären wir heute nicht hier.

Was wissen wir über die nordgermanischen Winternächte?
Als ich mich mit Samhain beschäftigte, kam bei mir die Frage auf, welche anderen Feste und Überlieferungen es für den Übergang in den Winter gibt. Dabei bin ich auf die nordgermanischen Winternächte gestoßen.
Ein Begriff dafür ist Vetrnætr (ungefähr Wetr-nätr ausgesprochen). Er bedeutet „Winternächte“. Diese Zeit lag ebenfalls am Beginn der dunklen Jahreshälfte. In altnordischen Erzählungen begegnen uns dazu Feste und Opferhandlungen. Die Winternächte waren eine eigenständige nordgermanische Tradition. Sie fanden zwar in einer ähnlichen Jahreszeit wie Samhain statt, hatten jedoch keinen überlieferten Zusammenhang.
Besonders spannend finde ich die Opferfeier Dísablót (ungefähr Dísa-blót ausgesprochen). Diese Feier gehörte zur vorchristlichen nordgermanischen Religion. Überlieferungen darüber finden sich unter anderem für Norwegen und Schweden. Blót (ungefähr Bloot ausgesprochen) bezeichnet ein Opfer oder ein Opferfest. Die Dísir (ungefähr Dí-sir ausgesprochen) waren weibliche übernatürliche Wesen der altnordischen Glaubenswelt. In verschiedenen Quellen erscheinen sie in unterschiedlicher Gestalt. Sie werden unter anderem mit dem Schutz und dem Wohlergehen einer Familie verbunden.
Warum wurden gerade ihnen, den weiblichen Schutzwesen, Opfer dargebracht? Die Menschen baten sie um Schutz für ihre Familien und dafür, den Winter gut zu überstehen. In ihrer Vorstellung spielten diese weiblichen Wesen für den Schutz der Familie und ihres Lebens eine wichtige Rolle. Mich bewegt dieser Gedanke, weil er zeigt, welchen wichtigen Platz weibliche Mächte in diesen Überlieferungen einnahmen.
In der Víga-Glúms saga (ungefähr Wiega-Glums-Saga ausgesprochen) wird ein Dísablót zur Zeit der Winternächte erwähnt. Die Saga gehört zur mittelalterlichen isländischen Literatur und wurde vermutlich im 13. Jahrhundert niedergeschrieben. Wer sie verfasst hat, ist nicht bekannt. Die Erzählung spielt zum Teil in Norwegen; dort findet auch die beschriebene Feier statt.
Andere nordische Überlieferungen setzen Feiern zu Ehren der Dísir zu einer anderen Jahreszeit an. In Uppsala in Schweden wurde ein Dísablót im späten Winter gefeiert, ungefähr Ende Februar oder Anfang März. Es gab also keinen überall einheitlichen Feiertag und vermutlich auch keinen gleichen Ablauf.
Und was wurde geopfert? Bei nordischen Blót-Feiern sind Tieropfer und gemeinschaftliche Mahlzeiten aus anderen Quellen bekannt. Blut konnte bei solchen Ritualen eine Rolle spielen. Welches Tier bei einem bestimmten Dísablót geopfert wurde, wissen wir nicht.
In den Quellen begegnet uns außerdem das Álfablót (ungefähr Aalva-blót ausgesprochen), eine Opferfeier für die Álfar (ungefähr Aalvar ausgesprochen), die Elfen oder Alben. Auch sie gehören zur altnordischen Glaubenswelt und damit zur nordgermanischen Tradition. Mit diesen Namen sind übernatürliche Wesen gemeint, deren Vorstellungen sich nicht einfach mit unseren heutigen Bildern von Elfen gleichsetzen lassen.
Ein früher Bericht über das Álfablót stammt vom isländischen Dichter Sigvatr Þórðarson (ungefähr Sigwatr Thordarson ausgesprochen). Er reiste im frühen 11. Jahrhundert durch Schweden. Dort wurde ihm die Aufnahme in ein Haus verweigert, weil ein Álfablót stattfand. Der Bericht bezieht sich also auf eine Feier in Schweden. Auch hierzu gibt es leider nur wenige Informationen.
Doch dieses Wissen zeigt uns, dass es verschiedene Rituale und Vorstellungen davon gab, wie der Übergang in den Winter gefeiert wurde. Was dabei genau geschah, lässt sich bis heute leider nur bruchstückhaft zusammensetzen.

Wie hängen Samhain, Allerheiligen, Allerseelen, Reformationstag und Halloween zusammen?
In Rom gab es zunächst eine kirchliche Gedenkfeier für die Märtyrerinnen und Märtyrer, also für Menschen, die wegen ihres christlichen Glaubens getötet wurden. Am 13. Mai 609 oder 610 weihte Papst Bonifatius IV. das Pantheon in Rom der Jungfrau Maria und allen Märtyrerinnen und Märtyrern. Ab da wurde dieser Tag in Rom jährlich begangen.
Später weitete sich das Gedenken auch auf Heilige aus und nicht nur auf Menschen, die als Märtyrer:innen gestorben waren. Im Laufe des 8. Jahrhunderts wurde dieses Fest an manchen Orten bereits am 1. November gefeiert. Im 9. Jahrhundert setzte sich dann der 1. November als Datum für Allerheiligen in der westlichen Kirche durch und der 13. Mai als Gedenktag verschwand nach und nach aus den kirchlichen Kalendern.
Auch Samhain fällt auf den 1. November. Wurde Allerheiligen absichtlich auf diesen Tag gesetzt, um Samhain nach und nach zu verdrängen? Diese Frage habe ich mir gestellt. Ein Beleg für diese Absicht fehlt. Trotzdem finde ich es wichtig, danach zu fragen, wie kirchliche Feste, örtliche Bräuche und ältere Erzählungen einander im Laufe der Jahrhunderte beeinflusst haben. Dass viele kirchliche Termine auf ältere traditionelle Feste fallen, finde ich auffällig.
Wie entstand Allerseelen?
Für Verstorbene wurde im Christentum schon lange gebetet, bevor es den Gedenktag Allerseelen gab. Um das Jahr 1000 führte Odilo, der Abt des Klosters Cluny im heutigen Frankreich, in den mit Cluny verbundenen Klöstern einen gemeinsamen Gedenktag für alle verstorbenen Gläubigen ein. Als Jahr wird oft 998 genannt; der genaue Zeitpunkt ist historisch nicht ganz sicher.
Odilo legte diesen Tag auf den 2. November, unmittelbar nach Allerheiligen. Am 1. November wurde derer gedacht, die nach kirchlichem Glauben bereits bei Gott sind. Am folgenden Tag sollten die Mönche besonders für die Verstorbenen beten. Nach ihrem Glauben konnten Gebete und Gottesdienste denjenigen helfen, die noch einer Läuterung bedurften. Der Brauch verbreitete sich von Cluny aus und wurde schließlich in der westlichen Kirche übernommen.
Allerseelen gilt dem Gedenken aller verstorbenen Gläubigen. Der Gedanke an die Läuterung und das Gebet für die Verstorbenen haben an diesem Tag jedoch eine besondere Bedeutung. Bis heute besuchen Menschen um diese Zeit die Gräber ihrer Angehörigen, schmücken sie und stellen Lichter auf.
In fünf deutschen Bundesländern ist Allerheiligen ein gesetzlicher Feiertag. Allerseelen dagegen nicht. Das finde ich persönlich sehr unschön und unstimmig. Für die sogenannten Heiligen, die nach katholischer Vorstellung am Fegefeuer vorbei direkt zu Gott durchmarschieren, ist ein ganzer Feiertag vorgesehen. Für all die Verstorbenen unserer Familien, die nach dieser Vorstellung erst im Fegefeuer auf ihren Zutritt zu Gott warten sollen, jedoch nicht. Dass Allerseelen so stiefkindlich behandelt wird, finde ich verletzend und unwürdig. Mir würde es viel besser gefallen, wenn Allerseelen der Feiertag wäre und wir diesen Tag nutzen könnten, um aller Menschen zu gedenken, besonders unserer Lieben, die aus ihren Körpern gegangen sind. An diesem Tag könnten wir aller Seelen gedenken, unabhängig davon, ob diese Menschen einer Kirche angehörten oder nach kirchlicher Vorstellung heilig sind.
Gerade durch diese Geschichte wird mir deutlicher, was mich an der Unterscheidung zwischen Allerheiligen und Allerseelen stört. Für mich klingt sie, als könnten die einen an der Läuterung vorbei direkt zu Gott durchmarschieren, während die anderen zunächst durchs Fegefeuer müssen. Eine seltsame Zweiklassensicht und Regelung, wie ich finde.
Wer sagt denn, dass Heilige in ihrem Leben fehlerlos waren und deshalb nichts zu läutern hätten? Auch Heilige haben Fehler gemacht. Und Menschen, die von der Kirche nie heiliggesprochen wurden, können in ihrem Leben genauso wunderbar gewirkt haben. Warum sollte der katholische Gott, wenn es ihn in dieser Art und Weise überhaupt gibt und von dem gesagt wird, dass er pure Liebe sei, solche Unterschiede machen? Seltsam, wirklich seltsam.
Warum fällt der Reformationstag auf den 31. Oktober?
Mitten in diesen Tagen liegt auch der Reformationstag. Er erinnert an den 31. Oktober 1517, als Martin Luther seine 95 Thesen über den Ablass bekannt machte. Das Bild, wie er sie eigenhändig an die Tür der Wittenberger Schlosskirche nagelt, kennen viele von uns. Ob er die Thesen tatsächlich an die Kirchentür nagelte, lässt sich nicht belegen. Sicher ist, dass er sie am 31. Oktober 1517 an den Bischof Hieronymus Schulz und an Erzbischof Albrecht von Brandenburg schickte.
Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Der 31. Oktober war der Vorabend von Allerheiligen. Die Wittenberger Schlosskirche war die Allerheiligenkirche. Viele Menschen kamen zu diesem Fest in diese Kirche, um die Reliquien zu sehen und um Ablass zu erlangen. Luther kritisierte, dass Menschen mit Ablassbriefen Hoffnung auf eine Verkürzung ihrer Strafen und der Zeit im Fegefeuer gemacht wurde.
Ich kann gut nachvollziehen, warum Luther gerade an diesem Vorabend eine Diskussion über den Ablass anstoßen wollte. Er stellte sich gegen eine kirchliche Praxis, bei der mit der Angst vor dem Fegefeuer Geld verdient wurde. Das finde ich spannend, weil mich die Unterscheidung zwischen denen, die bereits bei Gott sein sollen, und denen, die erst durchs Fegefeuer müssen, ebenfalls beschäftigt. Für mich ist das bis heute ebenfalls eine völlig unangemessene Zweiklassensicht der katholischen Kirche. Warum sollten die mächtigen Männer der katholischen Kirche darüber bestimmen können, wie ein Mensch Gott näherkommt, und mit der Angst der Menschen auch noch Geld verdienen?
Doch nun zu Halloween. Das Wort kommt von All Hallows’ Eve (ungefähr Ol Hällous Iiw ausgesprochen) und bedeutet „Vorabend von Allerheiligen“. Während die Bezeichnung aus dem christlichen Kalender stammt, haben viele Bräuche dieses Abends Wurzeln in irischen Traditionen rund um Samhain. Sie veränderten sich über die Jahrhunderte. Beides hat sich über lange Zeit miteinander verwoben.
Irische Auswanderer brachten diese Bräuche später nach Nordamerika, wo sie sich weiterentwickelten. Selbst der geschnitzte Kürbis, der heute für viele das Sinnbild von Halloween ist, war nicht von Anfang an dabei. In Irland wurden früher Rüben ausgehöhlt und als Laternen verwendet. Das erinnert mich an meine Kindheit und den Laternenumzug zu St. Martin. Früher haben wir selbst Zuckerrüben ausgehöhlt, sie auf Stecken gesetzt und sind beim St. Martinsumzug mit ihnen durch die Straßen gezogen. Heute sehe ich keine Kinder mehr mit geschnitzten Rüben. Sie tragen gekaufte oder selbst gebastelte Laternen aus Papier und manchmal Fackeln.
Was ist aus Halloween geworden?
Ich verstehe die Freude von Kindern, die sich verkleiden, an Häusern klingeln und „Süßes oder Saures“ rufen. Doch Halloween in seiner heutigen Form ist meines Empfindens nach völlig entartet. Deshalb brauche ich dieses Fest so für mich nicht.
Was ich wahrnehme, ist immer mehr Dekoration, am besten jedes Jahr neu. Viel Plastik, einzeln verpackte Süßigkeiten und entsprechend viel Müll. Dazu kommt für mich der Umgang mit den Verstorbenen. Statt ihrer zu gedenken und sie zu ehren, werden sie zu einer Quelle von Angst und Grusel gemacht. Ich finde, das ist eine einseitige Haltung und nicht das Einzige, was wir Kindern über Verstorbene vermitteln sollten.
Die Geschichte hinter diesem Abend ist so vielschichtig, dass sie nicht auf Dekoration und Konsum reduziert werden sollte. Für mich ist sie ein Anlass, in die Tiefe zu gehen und genauer hinzusehen. Wie könnten wir heute diesen Übergang feiern und die Verstorbenen würdigen?

Ein Abend für Erinnerung und Dankbarkeit...
Eine Möglichkeit wäre, an diesem Abend einen kleinen Altar zu errichten, Kerzen für verstorbene Menschen anzuzünden und Fotos aufzustellen. So geben wir dem Gedenken an sie und der Würdigung ihres Lebens bewusst Raum. Bei einem gemeinsamen Essen könnte ein Platz für jemanden freigehalten werden, der in unserer Mitte fehlt.
Wir könnten Geschichten von unseren Vorfahren erzählen, deren Worte oder Taten durch unser Erzählen weiterleben. Von etwas, das die Großmutter wusste, der Vater konnte oder eine Freundin uns beigebracht hat. Und wir könnten uns Gedanken darüber machen, welche Geschichten die Menschen einmal über uns erzählen sollen, wenn wir über die Schwelle und aus unserem Körper gegangen sind.
Ein gemeinsames Essen mit der Familie könnte auch zu einem Dankbarkeitsabend werden. Wir könnten Danke sagen für den zu Ende gehenden Sommer und für vieles, das uns heute selbstverständlich erscheint. Dafür, dass wir genug zu essen haben, körperlich nicht mehr so schwer arbeiten wie die Menschen damals und im Supermarkt Lebensmittel bekommen. Dafür, dass sauberes Trinkwasser aus dem Hahn fließt, wir im Winter die Heizung aufdrehen können, Strom haben und für so unendlich vieles mehr.
Wir könnten auch auf das zurückliegende Jahr schauen. Was hat uns getragen? Was war schwer? Was haben wir daraus gelernt? Was würde uns in den kommenden Monaten guttun und was brauchen wir dafür? Dafür können wir den Abend ruhig gestalten, mit einem Blatt Papier, einem Stift, einer Kerze, vielleicht einem Tee und der Bereitschaft, ehrlich in uns hineinzuspüren und zu erforschen, was uns dieser besondere Übergang sagen möchte.
Samhain erinnert mich daran, diese Schwellenzeit wahrzunehmen, sie zu feiern und dankbar zu sein. Dankbar auch für die Menschen, die vor uns lebten und durch die wir heute leben können. Sie zu ehren und zugleich auf unser eigenes Leben zu schauen. So blicken wir aus dem Jetzt heraus zurück in die Vergangenheit und nach vorne in die Zukunft.
Mit Liebe, deine Iris
