Blog zu Persönlichkeitsentwicklung, Spiritualität und Wachstum



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Deine Iris 

 

 

Innere (Kind-) Anteilearbeit. Ein Möglichkeit der Reise zu dir selbst, in ein Gefühl der Vollständigkeit.

Die innere Anteilearbeit ist für mich einer der größten Schlüssel. Er ist für mich sogar einer der Schlüssel für einen selbstermächtigten Heilweg. Diese innere Arbeit ist nicht einfach nur eine Methode auf dem Weg der persönlichen Entwicklung. Sie ist ein zutiefst transformierender Prozess, der uns zurück zu uns selbst führen kann. Zurück zu den Anteilen in uns, die auf unserem Lebensweg wie eingefroren stehen geblieben sind. Zurück unserer Ganzheit.

Ganz bewusst spreche ich dabei nicht von „innerer Kindarbeit“, sondern von „innerer Anteilearbeit“. Denn meine Erfahrung hat mir gezeigt, dass uns auf diesem Weg nicht nur kindliche Anteile begegnen können, sondern ebenso Anteile aus unserer Jugend, unserem jungen Erwachsenenalter oder auch aus späteren Lebensphasen, die gesehen, gefühlt und nachreifen möchten.

Aber was ist eigentlich ein innerer Anteil, warum existiert er und wie arbeite ich damit?

Der innere Anteil ist eine Momentaufnahme in deiner Entwicklung, deinem Leben. Eine Erfahrung, die noch nicht verarbeitet und die noch nicht geheilt wurde. Wir werden geboren und machen auf unserem Lebensweg die verschiedensten Erfahrungen. Manche davon sind schön und nährend, andere hingegen sehr schmerzhaft und auch traumatisierend.

Gerade in den ersten sieben Lebensjahren sind diese Erfahrungen besonders prägend, doch auch darüber hinaus und lebenslang, können prägende Erfahrungen uns stark beeinträchtigen. Wenn wir etwas erleben, das uns überfordert oder uns innerlich so sehr verletzt/verstört, reagiert unser ganzes System. Und damit meine ich unser Energiesystem UND unser Körpersystem. Diese komplexen Systeme reagiert mit einem genialen Schutz. Und dieser Schutz funktioniert so, dass in dem Moment, in dem wir eine völlige überfordernde und/oder traumatische Erfahrung machen, diese wie „eingefroren“ wird. Es ist, als ob die Situation mitsamt der Person, die wir in diesem Moment sind, stehenbleibt. Dieser Moment wird so etwas wie "abgekapselt".

Unser System macht das ganz automatisch und ohne unser bewusstes Zutun, um uns zu beschützen. Es möchte verhindern, dass wir uns weiter mit dieser Erfahrung bewusst auseinandersetzen müssen, weil das für unsere gesamte Existenz eine massive Überforderung wäre. Es würde unser Leben klar und langfristig gefährden. Und deshalb schaltet unser System in diesen Schutzmodus. Das ist erstmal etwas sehr Gutes. Denn genau dieser Schutz ermöglicht es uns, weiterzuleben. Es ist eine sehr kluge Überlebensstrategie.

Es müssen nicht immer dramatische oder sichtbare & brutale Erlebnisse gewesen sein, die sogenannte Schocktrauma. Oft sind es die leisen, dauerhaften und subtilen Dinge/Erfahrungen, die langfristig oft viele schwerer wiegen. Man nennt dies Bindungs- bzw. Entwicklungstrauma. Fehlende, mangelhafte oder/und instabile Bindungen, besonders zu unseren Eltern, fehlendes Vertrauen und Verbindung, ein Mangel an Beziehung und/oder ein Mangel an Sicherheit. Und daraus entsteht ein Mangel an Vertrauen. In Beziehungen, auch in die Beziehung zu uns selbst und ein Misstrauen ins Leben und die eigenen Fähigkeiten und Möglichkeiten. Es geht hier also um ein fundamentales Ungleichgewicht zwischen Autonomie und Verbundenheit, doch genau dieses gesunde Gleichgewicht ist sehr wichtig für eine gesunde Entwicklung.

In dem Moment, in dem eine stark negative Erfahrung gemacht wird, bzw. die massive Überforderung eintritt, kann der Anteil, der wir in diesem Moment sind, zu unserem eigenen Schutz von unserem autonomen System „eingefroren“ werden. Dieser Teil von uns bleibt also stehen. Er entwickelt sich nicht weiter. Er kann nicht. Der Rest von uns lebt aktiv weiter, entwickelt sich, wächst und geht durch's Leben. 

Aber dieser Anteil bleibt stehen, existiert wie in einem Dauerloop, einer Dauerschleife und wiederholt unbewusst ständig die gemachte Erfahrung von damals. Und weil unser System uns beschützen will, verschiebt es diese Anteile/Erfahrungen meist ins Unterbewusstsein. Dort geraten sie natürlich in Vergessenheit. Und so sind wir uns diesem Anteil meist gar nicht bewusst und können uns dann auch nicht bewusst damit auseinandersetzen.

Unser Bewusstsein macht gerade einmal ca. 5 % unseres Seins aus. Der Rest ist Unterbewusstsein.

So wirken diese „eingefrorenen“ Anteile durch ihre "Dauerschleife" im Hintergrund weiter. Ohne dass wir wissen, dass sie überhaupt existieren. Ohne dass wir verstehen, warum wir in bestimmten Situationen so reagieren, wie wir reagieren. 

Und im Laufe unseres Lebens „frieren" oftmals so einige Anteile in uns ein.

Irgendwann spüren wir, dass etwas fehlt. Wir sagen dann Sätze wie: "Mit mir stimmt irgendwas nicht. Ich fühle mich nicht vollständig. Ich bin ein Freak. Ich bin verrückt. Ich bin ein Alien. Ich gehöre nicht hierher." Und dieses Gefühl entsteht genau deshalb, weil wir auf unserem Lebensweg oft so viele Anteile „zurücklassen“ mussten, um zu überleben. Wir fühlen uns nicht vollständig, weil wir nicht mit all unseren Anteilen bewusst verbunden sind, bzw. sie nicht zeitgleich mit uns ins Jetzt gereift sind.

Ein eingefrorener Anteil, der in einer bestimmten Erfahrung „steckengeblieben" ist, bleibt nicht einfach nur passiv in unserem System. Ganz im Gegenteil: Dieser Anteil ist oft hochaktiv, auch wenn wir ihn nicht bewusst wahrnehmen. Er ist ständig damit beschäftigt, unsere Umwelt zu beobachten, zu scannen und zu checken, ob irgendwo eine Gefahr lauert, die der ursprünglichen Erfahrung ähnelt. Er wird zu unserem persönlichen Bodyguard.

Das passiert natürlich nicht auf bewusster Ebene. Es läuft im Unbewussten ab. Unser System, unsere "eingefrorenen“ innerer Anteil, vergleichen jede neue Situation mit der alten Erfahrung. Und wenn es da auch nur eine kleinste Ähnlichkeit gibt, sei es ein Tonfall, ein Blick, ein Gefühl, ein Duft, schlägt er Alarm und unser System reagiert darauf. Nicht, weil die Situation im Hier und Jetzt unbedingt gefährlich sein könnte, sondern weil sie sich an etwas erinnert, das damals bedrohlich war und es jetzt wieder bedrohlich werden könnte.

Und dann geschieht das, was viele Menschen kennen… Wir reagieren über. Wir reagieren seltsam, irrational, verletzt, wütend, ängstlich, mit Rückzug oder wie auch immer. Und gleichzeitig denken wir vielleicht: "Warum reagiere ich nur so? Das ergibt doch gar keinen Sinn. Ich weiß doch eigentlich, dass keine Gefahr oder Bedrohung besteht." Und genau das ist der Punkt. Unser Verstand weiß das. Aber unser Unterbewusstsein alarmiert mit einer gespeicherten Erinnerung und unser System geht in den Fight, Flight, Freeze oder Fawn Modus. (Kampf, Flucht, Erstarrung oder Anpassung) Der innere Anteil ist nun sehr aktiv und will uns warnen, will uns beschützen, auch wenn das, was heute geschieht, vielleicht in absolut keinem direkten Zusammenhang mit dem steht, was damals passiert ist. Vielleicht ist es noch nicht einmal eine ähnliche Situation. Doch etwas, auch wenn nur etwas kleines, wie z.B. ein Duft, hat den Alarm ausgelöst. Dieses Schutzsystem arbeitet, so wie du bestimmt gerade merkst, sehr gut.

Solange diese Anteile nicht gesehen, verstanden, gehalten, versorgt und integriert werden, bleiben sie oft dauerhaft aktiv im Hintergrund. Wie kleine Wachhunde, die Tag und Nacht aufpassen. Deshalb empfinde ich es es so wichtig, dass wir erfahren, dass sie existieren. Sie lernen wahrzunehmen, ihnen zuhören, ihnen das geben, was sie damals so dringend gebraucht hätten, um erst gar nicht in diesen Zustand zu geraten. Wir dürfen lernen sie in Liebe mit dem zu nähren, was sie brauchen um nachzureifen. So haben wir eine reelle Chance, dass sie sich ins Heute, ins Hier und Jetzt weiterentwickeln und nachreifen. Dann wird es ruhig in uns. Dann kann dauerhafte Vollständigkeit geschehen.

Der Punkt, an dem die innere Anteilearbeit beginnt ist, wenn wir uns bewusst werden, dass diese Anteile überhaupt existieren. Wenn wir anfangen, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Wenn wir lernen, wie wir mit ihnen sprechen können. Wie wir ihnen zuhören. Wie wir sie wahrnehmen. Wenn wir herausfinden was sie brauchen. Und wenn wir damit beginnen, ihnen all das zu geben, was sie damals so dringend gebraucht hätten. Die kann z.B. Liebe. Sicherheit. Mitgefühl. Nähe oder/und Aufmerksamkeit sein.

Dann kann ein Prozess beginnen, der zutiefst heilsam sein kann. Die Anteile tauen auf. Sie dürfen und können sich nun in ihrem Tempo entwickeln. Sie wachsen nach. Sie werden zu einem Teil von uns im Hier und Jetzt. Und wenn ein Anteil heilt und komplett Integriert, wird der Nächste oft sichtbar, weil er nun Raum erhält um endlich gesehen zu werden. Immer der, der am dringendsten gesehen, gelebt und geliebt werden möchte.

Und so gehen wir Schritt für Schritt zurück zu uns. Und mit jedem Anteil, der heilt, kommen wir mehr bei uns selbst an. Wir werden wieder vollständig. Und wir heilen.

Das ist innere Anteile Arbeit. Nicht schnell. Nicht einfach. Aber tief. Wahrhaftig. Und meist lebensverändernd.

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