Der heilige Morgen
Der heilige Morgen...
Warum die erste Phase des Tages so wertvoll und besonders ist!
Die Zeit am Morgen ist für mich eine ganz besondere Zeit. Und damit meine ich vor allem die Phase des Erwachens. Diese besondere Zeit, in der wir langsam aus dem Schlaf erwachen, wieder ins Bewusstsein zurückkehren und schließlich die Augen öffnen und in den neuen Tag starten.
In dieser Phase des Erwachens wechseln wir sozusagen die Welten. Wir kommen aus vielen Stunden unserer inneren Welt und kehren zurück in die äußere Welt. In der Nacht sind wir viel stärker mit unserem Unbewussten und Unterbewusstsein verbunden. Also mit dem größten Teil unserer Gedankenwelt und dem größten Teil unseres Verstandes, der für uns in unserem Alltag oftmals gar nicht zugänglich ist.
Für mich ist genau diese Schnittstelle eine ganz besondere, fast heilige Zeit.
Auch unsere Gehirnwellen verändern sich.
Während dieses Übergangs verändern sich auch unsere Gehirnwellen. Ein kleiner Überblick dazu:
Delta ist die langsamste dieser Gehirnwellen und besonders mit unserem Tiefschlaf verbunden. Beim Erwachen bewegen wir uns aus dem Schlaf heraus durch Theta, einen Zustand, den wir unter anderem aus leichteren Schlafphasen, dem Träumen und sehr tiefer Entspannung kennen.
Mit zunehmendem Wachwerden tritt Alpha stärker in den Vordergrund. Dieser entspannte Zustand liegt zwischen tiefer Ruhe und unserem aktiven Alltagsbewusstsein. Sobald unser Denken, Planen, Organisieren und Funktionieren richtig beginnt, spielt Beta eine immer größere Rolle. Gamma sind die schnellsten dieser hier genannten Gehirnwellen und werden unter anderem mit besonders fokussierter Aufmerksamkeit, komplexer Informationsverarbeitung und hoher geistiger Aktivität in Verbindung gebracht.
Ich stelle mir diese unterschiedlichen Gehirnwellenzustände gerne wie Räume mit offenen Türen vor. Wir befinden uns vielleicht gerade überwiegend in einem dieser Räume. Trotzdem sind die Türen zu den anderen Räumen nicht verschlossen. Die verschiedenen Zustände können sich überlagern und ineinanderfließen. Und wenn wir wissen, wo sich die Türe, der Zugang dazu befindet, können wir diese Räume auch ganz bewusst betreten.
Die Schnittstelle zwischen innerer und äußerer Welt
Gerade dieser Übergang am Morgen ist für mich so wertvoll. Wir kommen aus unserer inneren Welt, aus der Delta-Phase, treten über in die Theta-Phase und bewegen uns beim Wachwerden immer mehr in Richtung Alpha.
Und genau hier wäre es schön, wenn wir nicht sofort in die Beta- oder sogar Gamma-Gehirnwellenstrukturen übergehen, sondern noch einen Moment innehalten. Nicht sofort denken, planen und funktionieren. Nicht sofort zum Handy greifen, Nachrichten lesen und die äußere Welt hereinlassen, sondern noch einen Moment ganz bewusst in diesem Theta-Alpha-Übergang bleiben.
Diese Schnittstelle ist eine Einladung, diese besondere Phase bewusst zu nutzen, anstatt sie einfach verstreichen zu lassen. Denn in diesem Theta-Alpha-Übergang ist der Zugang zu unserem Unterbewusstsein noch viel größer und schneller. Alles, womit wir uns in dieser Phase beschäftigen, alles, was wir denken, sagen, fühlen, sehen oder hören, gelangt viel unmittelbarer in unser Unterbewusstsein.
Und genau deshalb finde ich eine Frage am Morgen besonders wichtig:
Womit möchte ich die ersten Momente meines neuen Tages füllen?
Was darf zuerst zu dir?
Oft beginnt unser Tag innerhalb weniger Sekunden mit dem Außen. Das Handy wird eingeschaltet, Nachrichten werden gelesen, Termine tauchen im Kopf auf. Vielleicht begegnen uns schon beim ersten Blick auf Social Media die Gedanken, Probleme, Meinungen und Leben anderer Menschen. Und plötzlich sind wir mittendrin, obwohl wir gerade erst die Augen geöffnet haben.
Was wäre, wenn wir uns diese ersten Minuten nicht sofort vom Außen nehmen lassen und zunächst bei uns bleiben? Vielleicht verbinden wir uns mit unserem Atem oder unserem Körper, mit Dankbarkeit, einem schönen Gedanken, einem inneren Bild oder einer bewussten Ausrichtung auf den neuen Tag.
Oder wir nehmen einfach nur wahr:
Ich bin wach. Ich bin hier. Ich lebe. Vor mir liegt ein neuer Tag.
Ein neuer Tag bedeutet auch neue 24 Stunden. 24 Stunden voller neuer Möglichkeiten, Erfahrungen, Begegnungen und neuer Chancen.
Es braucht nicht viel.
Wir können nicht wissen, was uns dieser neue Tag bringen wird, doch wir können entscheiden, wie wir ihn verbringen. Dafür braucht es keine aufwendigen, komplizierten Routinen. Es reichen schon wenige Minuten, vielleicht sogar nur ein kurzer Moment.
Ein kurzer Moment, in dem das Außen noch warten darf, in dem wir noch nicht funktionieren müssen und ganz bewusst bei uns bleiben. Ein Moment, in dem wir entscheiden, was wir unserem Inneren mit in diesen neuen Tag geben möchten.
Für mich liegt genau darin etwas unglaublich Wertvolles. Jeder Morgen schenkt uns aufs Neue diese besondere Schnittstelle zwischen unserer inneren und unserer äußeren Welt. Vielleicht sollten wir sie nicht einfach verstreichen lassen, sondern sie wieder ganz bewusst für uns nutzen.
Mit Liebe
deine Iris ❤️
