
Bullshit - FM, der Radiosender in deinem Kopf.
BULLSHIT-FM
… der Sender in deinem Kopf
Heute Morgen habe ich einem Vortrag gelauscht, der mich zum Nachdenken angeregt hat. Eines der Themen war, dass niemand von uns in der Schule Gedankenunterricht hatte. Nicht eine einzige Stunde.
Wir haben in all den Jahren und Jahrzehnten von Schule nicht eine Unterrichtsstunde zum Thema Denken. Und in der Regel beschäftigen wir uns auch später nie in der Tiefe mit unseren Gedanken, außer wir studieren Philosophie oder etwas anderes, das sich damit beschäftigt.
Und wir alle denken doch, wir könnten das! Denken. Wir hinterfragen es kein bisschen. Wir tun es einfach. Ist das nicht eine interessante Form der Selbstüberschätzung?
Beim Thema Gefühle & Emotionen ist es genau das Gleiche. Und beim Thema Körper auch. Wir haben zwar im Biologieunterricht ein bisschen was über den Körper gelernt, aber wie wir richtig mit unserem Körper umgehen und was er wirklich von uns braucht, das bringt uns in der Schule niemand bei.
Ca. 95 % sind Unterbewusstsein und ca. 5 % Bewusstsein. Man könnte ja meinen, wenn uns schon nur diese 5 % bewusst zur Verfügung stehen, dann müssten wir mit diesen 5 % doch wenigstens gut umgehen können. Wir müssten sie bewusst händeln und mit ihnen arbeiten können. Aber weit gefehlt. Die meisten Menschen können das nicht. Wie auch?
Stell dir einen riesigen Garten vor. Jemand gibt dir davon 5 % und sagt: Hier, das ist dein Teil. Es ist nur ein kleines Eckchen in diesem großen Garten. Und du hast überhaupt keine Ahnung davon, dass du diesen Teil bewirtschaften musst.
Also wächst dort alles kreuz und quer und durcheinander. Dinge, die du anpflanzt, verdorren, wenn du überhaupt etwas anpflanzt. Es wird immer wilder und innerhalb kurzer Zeit sind diese 5 % so undurchdringbar, dass du eine Machete oder eine große Sense bräuchtest, um überhaupt wieder durchzukommen. Nicht, weil du diese 5 % nicht bewirtschaften könntest, sondern weil du überhaupt keine Ahnung davon hast, dass du sie bewirtschaften musst.
Und genauso ist es mit unseren bewussten Gedanken.
Von diesen nur ca. 5 %, die wir bewusst denken, bekommen wir so gut wie gar nichts bewusst mit. Obwohl es bewusste Gedanken sind. Sie laufen einfach wie eine Hintergrundmelodie, unser persönliches „Bullshit-FM“, in unserem Kopf ab.
Von diesen 5 % folgen wir, ich würde sagen, 90 % einfach. Ca. 10 % davon sind uns vielleicht präsent und darüber können wir noch einmal nachdenken. Aber der Rest ist „Bullshit-FM“, so nenne ich es liebevoll. ;-)
Als wären wir alle in einem Delirium, folgen die allermeisten Menschen einfach diesen Gedanken, ohne sie zu hinterfragen, ohne uns Gedanken über diese Gedanken zu machen. Wir lassen uns denken und wir lassen es zu, dass uns täglich gedanklich so viel Bullshit erreicht und dies sich in unserem Kopf verselbstständigt.
Und wenn uns irgendjemand fragt, dann antworten wir ganz überheblich: Ja klar kann ich denken. Mach ich ja. Mach ich ja täglich. Bin ich ja mit groß geworden. Klar können wir das alle. Dabei geht es in erster Linie noch gar nicht um die Qualität unserer Gedanken. Es geht um das Bewusstwerden von diesen 5 %, von dem, was wir überhaupt bewusst denken.
Mal Hand aufs Herz: Wie viel von deinem eigenen „Bullshit-FM“ weißt du wirklich?
Ich denke, nicht viel. Und das ist völlig normal. Den meisten Menschen geht es so wie dir. Und mir ging und geht es auch immer wieder so.
Ich selbst übe die Meditationspraxis seit vielen Jahren und habe vor Kurzem mit Vipassana begonnen. Und ich war und bin immer wieder verwundert, erstaunt, belustigt und entsetzt über das, was ich bemerke, wenn ich bewusst mit meinen Gedanken bin. Was mein Gehirn wirklich denkt.
Nicht was ich denke, sondern was mein Gehirn wirklich denkt.
Darauf lege ich ganz viel Wert. Ich bin nicht meine Gedanken. Meine Gedanken sind ein Teil von mir. Ein Teil meines Körpers.
Das Ding ist, dass all die Gedanken einen hundertprozentigen Einfluss auf unseren Körper haben. Der Körper denkt auf seine Art mit, indem er Spannung oder Entspannung erzeugt, indem die Organe unterschiedlich darauf reagieren, zum Beispiel das Herz schneller schlägt, die Leber darauf reagiert, die Faszien sich zusammenziehen oder die Pupillen sich verändern. Das ganze Körpersystem reagiert auf Gedanken.
Unser Gehirn hat Erfahrungen abgespeichert. Das Gehirn selbst ist ein „eiskaltes Stück“. Es hat keine Emotionen, keine Gefühle.
Am Anfang steht eine Wahrnehmung. Wir nehmen etwas im Außen oder in uns wahr. Dazu entsteht ein Gedanke, eine Bewertung dessen, was wir wahrgenommen haben. Unser Körper reagiert darauf und daraus entstehen Gefühle & Emotionen. Und dann beginnt das Zusammenspiel. Gedanken, Körper, Gefühle & Emotionen beeinflussen sich gegenseitig, reagieren aufeinander und verändern wiederum unsere Wahrnehmung. Das alles geschieht so schnell, dass wir meist überhaupt nicht mitbekommen, was da gerade in uns passiert.
Dann ist das, was wir wahrgenommen haben, nicht mehr neutral. Es wird zu etwas Persönlichem.
Und weil wir nie einen Gedankenunterricht in der Schule hatten, identifizieren wir uns zu 100 % damit. Wer hat schon Meditation im Unterricht gehabt? Wer hat Vipassana im Unterricht gehabt? Wer hat darüber jemals in der Schule erfahren? Ich auf jeden Fall nicht.
Für mich ist es wie ein riesiges Wollknäuel. Der eine Faden ist die Wahrnehmung, der zweite sind die Gedanken, der dritte ist der Körper und der vierte sind die Gefühle & Emotionen. Diese vier Fäden greifen ineinander, beeinflussen sich gegenseitig und verheddern sich wie irre miteinander, bis ein völlig verknäueltes, sehr unförmig aussehendes, riesiges Wollknäuel entsteht.
Ein Wollknäuel, das unendlich viele Knoten in sich trägt.
Und mit diesem riesigen, komplett verhedderten und völlig unförmigen Wollknäuel identifizieren wir uns.
Und da habe ich mich gefragt: „Will ich das?“ Jetzt, wo ich das alles weiß? Will ich wirklich meinen kleinen, 5%igen bewussten Anteil sich selbst überlassen?
Was ich für mich gelernt habe, ist: Es gibt so viele wunderbare Wege, die ich gehen kann, um damit zu beginnen, dieses Wollknäuel Stück für Stück zu entwirren. Um Wahrheit und Klarheit hineinzubringen.
Ein Weg, den ich gerade gehe, ist Vipassana. Ein anderer Weg ist Meditation. Und die Wege, die ich auch schon lange gehe, sind Energiearbeit & Persönlichkeitsentwicklung. Meine eigene spirituelle, geistige, gedankliche Entwicklung und Praxis.
Die Wahrnehmung ist die Wahrnehmung. Die kann ich nicht ändern. Ich nehme etwas wahr und das ist so. Aber ich kann lernen zu erkennen, was ich darüber denke, wie mein Körper darauf reagiert und welche Gefühle fühlbar werden.
Ich kann durch das Üben und die Praxis lernen, Bewusstsein darüber zu erschaffen und im Hier und Jetzt zu entscheiden, was ich daraus mache. Ich kann dadurch aus dem Drama gehen, aus dieser Überbewertung, die mein System macht und die dafür sorgt, dass ich es mit jeder Zelle meines Körpers persönlich nehme. Egal ob im Schönen oder im Schlechten.
Und ich kann dadurch einen Raum erschaffen. Einen Raum, in dem Klarheit und Wahrheit entstehen. Wenn das Drama rausgeht, kann das, was ist, einfach das sein, was es ist. Und dann hat es Raum zum Heilen. Und es kann gehen.
Und das ist das Wunderbare an Vipassana, an Meditation, an Energiearbeit & Persönlichkeitsentwicklung. Auf allen Ebenen, der inneren Ebene, der feinstofflichen Ebene, der körperlichen Ebene, der emotionalen Ebene & der Verstandesebene, miteinander in einem Dialog zu sein. Und in diesem Dialog zu erforschen: „Worum geht es hier eigentlich? Worum geht es hier wirklich?“ Und durch die Wahrheit und Klarheit, die dann entsteht, den Raum zu schaffen, in dem der Mensch mit allem, was er ist, in die Selbstheilung gehen kann.
Mit Liebe,
deine Iris

Was die 5% "bewusste" Gehirnnutzung betrifft, frage ich mich oft, was die anderen 95% sein sollen 🤔 Zählen dazu die Körperfunktionen wie Herzschlag, Atmung, Temperatur, Sehen, Hören, Verdauung, ect. ? Und besteht dann unsere erkannte Welt also aus nur 5% bzw davon nochmal - wie du sagst - bewusst eigentlich nur 1/10? Das wäre grass! 🙄
Den Vergleich mit dem Garten finde ich gut, die Gedanken zu pflegen und regelmäßig Unkraut zu entfernen macht Sinn. Einfacher gesagt als getan 🤷🏻♀️
Liebe Sylke, was für spannende Fragen! 🧡
Und ja, genau da wird es richtig interessant. Zu dem riesigen Anteil dessen, was außerhalb unseres Bewusstseins abläuft, gehören tatsächlich auch viele automatische Vorgänge wie Herzschlag, Verdauung, Temperaturregulation oder große Teile unserer Atmung. Aber eben längst nicht nur die.
Auch beim Sehen, Hören und Wahrnehmen verarbeitet unser Gehirn permanent unglaublich viele Informationen, ohne dass wir davon bewusst etwas mitbekommen. Dazu kommen erlernte Routinen, automatische Bewertungen, Assoziationen, Bewegungsabläufe und vieles mehr. Unser Bewusstsein bekommt sozusagen nur einen kleinen Ausschnitt von all dem präsentiert, was im Hintergrund längst verarbeitet wurde.
Wichtig ist allerdings, die 5 % beziehungsweise 95 % sind keine mathematisch exakten Größen und bedeuten vor allem nicht, dass wir nur 5 % unseres Gehirns benutzen. Unser ganzes Gehirn ist aktiv, nur eben vieles davon außerhalb unseres bewussten Erlebens.
Deshalb kann man auch nicht einfach weiterrechnen und sagen, von diesen 5 % sind wiederum nur 10 % wirklich bewusst, also erleben wir gerade einmal 0,5 % der Welt. So krass diese Vorstellung auch wäre. 😄 Wissenschaftlich lässt sich das so nicht berechnen.
Aber der Gedanke dahinter ist tatsächlich ziemlich faszinierend. Was wir ganz bewusst als „meine Realität“ erleben, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus einer riesigen Menge an Informationen, die unser Gehirn und unser Körper ununterbrochen aufnehmen, filtern und verarbeiten.
Und wenn man sich DAS einmal wirklich bewusst macht, ist es eigentlich schon krass genug. 🤓😅
Liebe Grüße, Iris